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Mittwoch, den 28. Februar 2018 20:35 Alter: 204 Tage

Rapunzel hat Haarausfall


Man kennt das ja: Rapunzels Vater verspricht einer bösen Nachbarin mit Zauberkräften (der Hexe von nebenan halt) das erstgeborene Kind seiner bis dato unfruchtbaren Gattin. Im Tausch mit einem Teller Feldsalat, auch bekannt als Rapunzeln – klar so weit. Aber schon ein bisschen an den Haaren herbeigezogen (hihi). Meinetwegen lassen wir die Geschichte bis dahin einfach so stehen und starten damit, dass sich Rapunzel zur schönsten Jungfrau im ganzen Königreich entwickelt hat und dass die böse Hexe ihr Ziehkind aus Angst um deren Unschuld auf einen türlosen Turm gesperrt hat. Jeden Tag kommt die alte Frau zum Gefängnis des Mädchens und ruft: „Rapunzel, Rapunzel lass dein Haar herunter.“ bzw. - wir leben in Franken - „Rabunzl, Rabunzl, runner midder Maddn.“ Und - Du ahnst es nicht – aus dem einzigen Fenster in Rapunzels Verließ fällt ein dicker goldener Zopf glänzenden Haars. Da könnte unsereins mit seinen drei Federn am Kopf sich noch ne Strähne abschneiden. Und jeden Tag klettert die Hexe (Rapunzel muss ja auch was essen, z.B. Feldsalat) dann an der Frisur hoch in den Turm. Wieder an den Haaren herbeigezogen (hihi) aber wir nehmen auch das als gegeben hin. Rapunzel, die außer der Hexe natürlich keinen Besuch bekommt, langweilt sich und singt als Zeitvertreib oft so vor sich hin – bisschen was von Cher, Madonna und Beyonce oder so … Den Gesang hört der angesehenste Junggeselle des Königreichs. Also der Prinz. Findet, dass sie Talent hat und möchte sehen, wem die schöne Stimme gehört. Da ist aber nun keine Tür und auf sein Rufen antwortet niemand. Rapunzel ist schließlich völlig verschüchtert durch die jahrelange Isolation. Da beobachtet der Prinz tagelang immer wieder für ein paar Stunden den Turm. Heute nennt man es Stalking, aber damals war es romantisch. Und irgendwann sieht er die Hexe und hört auch den Spruch, mit dem man Einlass erhält. Am nächsten Tag verstellt er seine Stimme und ruft auch „Rabunzl, Rabunzl!“. Die Maddn kommt geflogen und er klettert hoch. Beide verlieben sich sofort. Der Prinz hat leichtes Spiel trotz leichtem Übergewicht, weil er der schönste Mann ist, den das Mädchen je gesehen hat. Heiraten wollen sie. Heute nennt man das voreilig, aber damals war es romantisch. Und jetzt kommt das Problem: Der schwere Prinz hat Rapunzels Haare böse strapaziert. Das hormonelle Chaos und der Fellwechsel (es wird Frühling) tun ihr übriges. Man kann es kaum aussprechen, aber schön reden kann man es auch nicht: Rapunzel hat Haarausfall. Immer wenn der Prinz zu Besuch war, gehen dem Mädchen beim Duschen büschelweise die goldenen Haare aus. So schlimm, dass sie ihn nicht mehr raufklettern lassen will. Und mit den Fransen will sie auch nicht heiraten, auch nicht, wenn er ihr seinen Starcoiffeur schickt, nö, dann auch nicht. Und die Hexe wird auch langsam misstrauisch, so zerrupft sieht ihre Ziehtochter aus. Der Prinz muss handeln. Und zwar schnell. Eine Apotheke im Königreich ist über die Landesgrenzen hinaus (hust, hust) bekannt für ihre exzellente Beratung. Der Königssohn reitet also vor der frosch Apotheke vor und schildert detailliert Rapunzels Problem. Mit den passenden Arzneien für das Mädchen und einer Dose Proteinpulver zum Fettabbau bzw. Muskelaufbau für den Prinzen selbst verlässt er beruhigt das qualifizierte Personal. Drei Monate später, nachdem Rapunzels Haare einen Zyklus durchlaufen haben, erkennen beide, dass die Therapie super anschlägt und der Prinz darf wieder zu ihr hinaufklettern – er hat schon ordentlich und nachhaltig abgenommen. An einem langen geknoteten Strick aus Taschentüchern entflieht das glückliche Paar dem tristen Gefängnis. Die Hexe futtert ihren Feldsalat jetzt wieder ganz alleine.